Archiv des Autors: k.

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„Print encourages a sense of closure, a sense that what is found in a text has been finalized, has reached a state of completion. This sense affects literary creations and it affects analytic philosophical or scientific work.

Before print, writing itself encouraged some sense of noetic closure. By isolating thought on a written surface, detached from any interlocutor, making utterance in this sense autonomous and indifferent to attack, writing presents utterance and thought as uninvolved with all else, somehow self-contained, complete.“

 

[Walter J. Ong in „Orality and Literacy“, 1982]

 

Heimat und Fremde

„Für diejenigen, die philosophieren, ist die ganze Welt eine Fremde. Dennoch , wie ein Dichter sagt:

Durch ein eigentümliches Gefühl der Süße zieht der heimatliche Boden alle an und läßt sie nie seiner vergessen.

Es ist daher eine wichtige Grundlage für die Tugend, daß der Geist in allmählicher Übung zunächst lernt, die sichtbaren und vergänglichen Dinge zu vertauschen, um sie dann später sogar ganz aufgeben zu können. Wem sein Heimatland lieb ist, der ist noch zu verwöhnt; wem jedes Land Heimat ist, der ist schon stark; wem aber die ganze Welt Fremde ist, der ist vollkommen. Der erste hat seine Liebe an eine bestimmte Stelle der Welt geheftet, der zweite hat sie auf die ganze Welt ausgedehnt, der dritte hat sie ganz ausgetilgt. Ich selbst habe schon seit meiner Kindheit in der Fremde gelebt, und ich weiß, mit welchem Kummer die Seele mitunter den kärglichen Fleck einer armen Hütte verläßt, ich weiß aber auch, mit welcher Freiheit sie später die marmornen Wohnsitze und die getäfelten Säle verachtet.“

[Hugo von Sankt Viktor im 3. Buch des „Didascalicon de studio legendi“ in deutscher Übersetzung, Mitte der 1120er Jahre]

γνῶθι σεαυτόν

Unter allem, was erstrebenswert ist, ist das höchste die Weisheit, in der die Form des vollkommenen Guten existiert. Die Weisheit erleuchtet den Menschen, so daß er sich selbst erkennen kann – denn er war den übrigen Geschöpfen gleich, solange er nicht erkannte, daß er als ein ihnen überlegenes Wesen erschaffen wurde. Sein unsterblicher Geist aber, von der Weisheit erleuchtet, betrachtet seinen eigenen Ursprung und erkennt, wie unangemessen es für ihn ist, irgend etwas außerhalb seiner selbst zu suchen, wenn doch das, was er selber ist, ihm genug sein könnte.“

[Hugo von Sankt Viktor zu Beginn des „Didascalicon de studio legendi“ in deutscher Übersetzung, Mitte der 1120er Jahre]

 

 

persönlichkeit

„Nun: ob jemand wissenschaftliche Eingebungen hat, das hängt ab von uns verborgenen Schicksalen, außerdem aber von »Gabe«. Nicht zuletzt auf Grund jener zweifellosen Wahrheit hat nun eine ganz begreiflicherweise gerade bei der Jugend sehr populäre Einstellung sich in den Dienst einiger Götzen gestellt, deren Kult wir heute an allen Straßenecken und in allen Zeitschriften sich breit machen finden. Jene Götzen sind: die »Persönlichkeit« und das »Erleben«. Beide sind eng verbunden: die Vorstellung herrscht, das letztere mache die erstere aus und gehöre zu ihr. Man quält sich ab zu erleben – denn das gehört ja zur standesgemäßen Lebensführung einer Persönlichkeit –, und gelingt es nicht, dann muss man wenigstens so tun, als habe man diese Gnadengabe. Früher nannte man dies »Erlebnis« auf deutsch: »Sensation«. Und von dem, was »Persönlichkeit« sei und bedeute, hatte man eine – ich glaube – zutreffendere Vorstellung.“

[Max Weber in einem Vortrag über „Wissenschaft als Beruf“, 1919]

Dissoziation?

„By removing words from the world of sound where they had first had their origin in active human interchange and relegating them definitively to visual surface, and by otherwise exploiting visual space for the management of knowledge, print encouraged human beings to think of their own interior conscious and unconscious resources as more and more thing-like, impersonal and religiously neutral. Print encouraged the mind to sense that its possessions were held in some sort of inert mental space.“

[Walter J. Ong in „Orality and Literacy“, 1982]

Stabilität contra Gerechtigkeit

„Niemals sollten wir vergessen, daß alles, was Adolf Hitler in Deutschland tat <gesetzmäßig>, und daß alles, was die ungarischen Freiheitskämpfer vollbrachten, <gesetzwidrig> war. …

Ich muß Ihnen, meine christlichen und jüdischen Brüder, zwei ehrliche Bekenntnisse ablegen. Zunächst muß ich gestehen, daß mich im Laufe der jüngsten Jahre am tiefsten die Haltung der weißen <Gemäßigten> enttäuscht hat. Fast bin ich zu dem betrüblichen Schlusse gezwungen worden, daß das große Hindernis für den Neger auf seinem Weg zur Freiheit nicht aus Männern des „White Citizen’s Council“ oder des Ku-Klux-Klan besteht, und es scheint, daß der <gemäßigte> Weiße der Idee der <Ordnung> größere Verehrung entgegenbringt als der Gerechtigkeit an sich. Der weiße <Gemäßigte> zieht einen negativen Frieden (die Abwesenheit von Spannung) einem positiven Frieden (der Herrschaft der Gerechtigkeit) vor. …

Das schale Verhältnis, das Menschen guten Willens einem entgegenbringen, behindert mehr als die absolute Verständnislosigkeit der Übelgesonnenen. Die lauwarme Zustimmung verwirrt viel stärker als die ausgesprochene Ablehnung….“

[Martin Luther King in „Warum wir nicht warten können“, 1964]

Das Prinzip Verantwortung

„Handle so, daß die Wirkungen deiner Handlungen verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.“

[Hans Jonas‘ Ökologischer Imperativ in „Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation“, 1979]