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דיבר oder Das Wort als Ereignis

„Oral peoples commonly think of names (one kind of words) as conveying power over things. Explanations of Adam’s naming of the animals in Genesis 2:20 usually call condescending attention to this presumably quaint archaic belief. Such a belief is in fact far less quaint than it seems to unreflective chirographic and typographic folk.

First of all, names do give human beings power over what they name: without learning a vast store of names, one is simply powerless to understand, for example, chemistry and to practice chemical engineering. And so with all other intellectual knowledge. Secondly, chirographic and typographic folk tend to think of names as labels, written or printed tags imaginatively affixed to an object named. Oral folk have no sense of a name as a tag, for they have no idea of a name as something that can be seen. Written or printed representations of words can be labels; real, spoken words cannot be.“

[Walter J. Ong in „Orality and Literacy“, 1982]

Wissen und sagen

„78. Vergleiche wissen und sagen:

wieviele m hoch der Mont-Blanc ist –

wie das Wort „Spiel“ gebraucht wird –

wie eine Klarinette klingt.

 

Wer sich wundert, daß man etwas wissen könne, und nicht sagen, denkt vielleicht an einen Fall wie den ersten. Gewiß nicht an einen wie den dritten.“

[Ludwig Wittgenstein, 1945 in Philosophische Untersuchungen, § 78]

Kein Weg zu weit

„Wieviele Kilometer bin ich in meinem Leben schon gegangen?“

Eine nur im ersten Augenblick harmlos anmutende kindliche Frage.

Wittgenstein würde sagen:

„Zu einer Antwort, die man nicht aussprechen kann, kann man auch die Frage nicht aussprechen. Das Rätsel gibt es nicht. Wenn sich eine Frage überhaupt stellen lässt, so kann sie auch beantwortet werden.“

[Tractatus logico-philosophicus, unter 6.5., 1918]

 

Ich denke nicht, dass er recht hat.

Wenn ich mich irre, verbessere mich

„Und dann mochte ich Nuto, weil wir uns gut verstanden; er behandelte mich wie einen Freund. Schon damals hatte er Augen, die in jede Sache eindrangen, scharf beobachtende Katzenaugen, und hatte er etwas gesagt, so schloß er seine Rede: ‚Wenn ich mich irre, verbessere mich.‘

So lernte ich begreifen, daß man nicht nur spricht, um zu sprechen, um zu sagen, ‚ich habe dies getan‘, ‚ich habe jenes getan‘. ‚ich habe gegessen und getrunken‘, sondern daß man spricht um sich eine Anschauung zu bilden, um zu begreifen, was in der Welt geschieht. Daran hatte ich früher nie gedacht.“

[Cesare Pavese, Junger Mond, 1950]