{"id":175518463,"date":"2013-04-29T22:25:46","date_gmt":"2013-04-29T20:25:46","guid":{"rendered":"http:\/\/posterous.kauda.de\/?page_id=175518463"},"modified":"2020-07-11T14:51:32","modified_gmt":"2020-07-11T12:51:32","slug":"lyrik-die-gefallt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/posterous.quaerito.de\/?page_id=175518463","title":{"rendered":"Lyrik, die gef\u00e4llt"},"content":{"rendered":"<h1>In Sand geschrieben<\/h1>\n<p>Da\u00df das Sch\u00f6ne und Ber\u00fcckende<br \/>\nNur ein Hauch und Schauer sei,<br \/>\nDa\u00df das K\u00f6stliche, Entz\u00fcckende,<br \/>\nHolde ohne Dauer sei:<br \/>\nWolke, Blume, Seifenblase,<br \/>\nFeuerwerk und Kinderlachen,<br \/>\nFrauenblick im Spiegelglase<br \/>\nUnd viel andre wunderbare Sachen,<br \/>\nDa\u00df sie, kaum entdeckt, vergehen,<br \/>\nNur von Augenblickes Dauer,<br \/>\nNur ein Duft und Windeswehen,<br \/>\nAch, wir wissen es mit Trauer.<br \/>\nUnd das Dauerhafte, Starre<br \/>\nIst uns nicht so innig teuer:<br \/>\nEdelstein mit k\u00fchlem Feuer,<br \/>\nGl\u00e4nzendschwere Goldesbarre;<br \/>\nSelbst die Sterne, nicht zu z\u00e4hlen,<br \/>\nBleiben fern und fremd, sie gleichen<br \/>\nUns Verg\u00e4nglichen nicht, erreichen<br \/>\nNicht das Innerste der Seelen.<br \/>\nNein, es scheint das innigst Sch\u00f6ne,<br \/>\nLiebenswerte dem Verderben<br \/>\nZugeneigt, stets nah am Sterben,<br \/>\nUnd das K\u00f6stlichste: die T\u00f6ne<br \/>\nDer Musik, die im Entstehen<br \/>\nSchon enteilen, schon vergehen,<br \/>\nSind nur Wehen, Str\u00f6men, Jagen<br \/>\nUnd umweht von leiser Trauer,<br \/>\nDenn auch nicht auf Herzschlags Dauer<br \/>\nLassen sie sich halten, bannen;<br \/>\nTon um Ton, kaum angeschlagen,<br \/>\nSchwindet schon und rinnt von dannen.<br \/>\nSo ist unser Herz dem Fl\u00fcchtigen,<br \/>\nIst dem Flie\u00dfenden, dem Leben<br \/>\nTreu und br\u00fcderlich ergeben,<br \/>\nNicht dem Festen, Dauert\u00fcchtigen.<br \/>\nBald erm\u00fcdet uns das Bleibende,<br \/>\nFels und Sternwelt und Juwelen,<br \/>\nUns in ewigem Wandel treibende<br \/>\nWind- und Seifenblasenseelen,<br \/>\nZeitverm\u00e4hlte, Dauerlose,<br \/>\nDenen Tau am Blatt der Rose,<br \/>\nDenen eines Vogels Werben,<br \/>\nEines Wolkenspieles Sterben,<br \/>\nSchneegeflimmer, Regenbogen,<br \/>\nFalter, schon hinweggeflogen,<br \/>\nDenen eines Lachens L\u00e4uten,<br \/>\nDas uns im Vor\u00fcbergehen<br \/>\nKaum gestreift, ein Fest bedeuten<br \/>\nOder wehtun kann. Wir lieben,<br \/>\nWas uns gleich ist, und verstehen,<br \/>\nWas der Wind in Sand geschrieben.<\/p>\n<p>Hermann Hesse (1877 &#8211; 1962)<\/p>\n<h1><\/h1>\n<h1><\/h1>\n<h1>Wie wenig n\u00fctze ich bin<\/h1>\n<p>Wie wenig n\u00fctze ich bin,<br \/>\nich hebe den Finger und hinterlasse<br \/>\nnicht den kleinsten Strich<br \/>\nin der Luft.<\/p>\n<p>Die Zeit verwischt mein Gesicht,<br \/>\nsie hat schon begonnen.<br \/>\nHinter meinen Schritten im Staub<br \/>\nw\u00e4scht der Regen die Stra\u00dfe blank<br \/>\nwie eine Hausfrau.<\/p>\n<p>Ich war hier.<br \/>\nIch gehe vor\u00fcber<br \/>\nohne Spur.<br \/>\nDie Ulmen am Weg<br \/>\nwinken mir zu wie ich komme,<br \/>\ngr\u00fcn blau goldener Gru\u00df,<br \/>\nund vergessen mich,<br \/>\neh ich vorbei bin.<\/p>\n<p>Ich gehe vor\u00fcber &#8211;<br \/>\naber ich lasse vielleicht<br \/>\nden kleinen Ton meiner Stimme,<br \/>\nmein Lachen und meine Tr\u00e4nen<br \/>\nund auch den Gru\u00df der B\u00e4ume im Abend<br \/>\nauf einem St\u00fcckchen Papier.<\/p>\n<p>Und im Vorbeigehn,<br \/>\nganz absichtslos,<br \/>\nz\u00fcnde ich die ein oder andere<br \/>\nLaterne an<br \/>\nin den Herzen am Wegrand.<\/p>\n<p>Hilde Domin (1909 &#8211; 2006)<\/p>\n<h1><\/h1>\n<h1><\/h1>\n<h1 style=\"text-align: left;\">Psalm<\/h1>\n<p>Niemand knetet uns wieder aus Erde und Lehm,<br \/>\nniemand bespricht unseren Staub.<br \/>\nNiemand.<\/p>\n<p>Gelobt seist du, Niemand.<br \/>\nDir zulieb wollen<br \/>\nwir bl\u00fchn.<br \/>\nDir<br \/>\nentgegen.<\/p>\n<p>Ein Nichts<br \/>\nwaren wir, sind wir, werden<br \/>\nwir bleiben, bl\u00fchend:<br \/>\ndie Nichts-, die<br \/>\nNiemandsrose.<\/p>\n<p>Mit<br \/>\ndem Griffel seelenhell,<br \/>\ndem Staubfaden himmelsw\u00fcst,<br \/>\nder Krone rot<br \/>\nvom Purpurwort, das wir sangen<br \/>\n\u00fcber, o \u00fcber<br \/>\ndem Dorn.<\/p>\n<p>Paul Celan (1920 &#8211; 1970)<\/p>\n<h1 style=\"text-align: left;\">L&#8217;\u00e9tranger<\/h1>\n<p>Qui aimes-tu le mieux, homme enigmatique, dis? ton p\u00e8re, ta m\u00e8re, ta soeur ou ton fr\u00e8re?<br \/>\nJe n&#8217;ai ni p\u00e8re, ni m\u00e8re, ni soeur, ni fr\u00e8re.<br \/>\nTes amis?<br \/>\nVous vous servez l\u00e0 d&#8217;une parole dont le sens m&#8217;est rest\u00e9 jusqu&#8217;\u00e0 ce jour inconnu.<br \/>\nTa patrie?<br \/>\nJ&#8217;ignore sous quelle latitude elle est situ\u00e9e.<br \/>\nLa beaut\u00e9?<br \/>\nJe l&#8217;aimerais volontiers, d\u00e9esse et immortelle.<br \/>\nL&#8217;or?<br \/>\nJe le hais comme vous ha\u00efssez Dieu.<br \/>\nEh! qu&#8217;aimes-tu donc, extraordinaire \u00e9tranger?<br \/>\nJ&#8217;aime les nuages&#8230; les nuages qui passent&#8230; l\u00e0-bas&#8230; l\u00e0-bas&#8230; les merveilleux nuages!<\/p>\n<p>Charles Baudelaire (1821 &#8211; 1867)<\/p>\n<h1><strong>Der Fremde<\/strong><\/h1>\n<p>Wer, r\u00e4tselhafter Mensch, ist deinem Herzen am liebsten? Sprich!<br \/>\nDein Vater, deine Mutter, deine Schwester oder dein Bruder?<br \/>\nIch habe weder Vater, noch Mutter, noch Bruder, noch Schwester. \u2013<br \/>\nDeine Freunde? \u2013<br \/>\nDu brauchst ein Wort, dessen Sinn ich bis heute nie verstand. \u2013<br \/>\nDeine Heimat? \u2013<br \/>\nIch wei\u00df nicht, auf welchem Breitengrad sie liegt. \u2013<br \/>\nDie Sch\u00f6nheit? \u2013<br \/>\nIch m\u00f6chte sie lieben, die g\u00f6ttlich unsterbliche. \u2013<br \/>\nDas Gold? \u2013<br \/>\nHasse ich, wie du Gott hassest. \u2013<br \/>\nWas also liebst du, staunenswerter Fremder? \u2013<br \/>\nIch liebe die Wolken &#8230; die ziehenden Wolken &#8230; dort &#8230; die wundervollen Wolken.<\/p>\n<h1 style=\"text-align: left;\">An die Nachgeborenen<\/h1>\n<p>1 Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!<\/p>\n<p>Das arglose Wort ist t\u00f6richt. Eine glatte Stirn<br \/>\nDeutet auf Unempfindlichkeit hin. Der Lachende<br \/>\nHat die furchtbare Nachricht<br \/>\nNur noch nicht empfangen.<\/p>\n<p>Was sind das f\u00fcr Zeiten, wo<br \/>\nEin Gespr\u00e4ch \u00fcber B\u00e4ume fast ein Verbrechen ist<br \/>\nWeil es ein Schweigen \u00fcber so viele Untaten einschlie\u00dft!<br \/>\nDer dort ruhig \u00fcber die Stra\u00dfe geht<br \/>\nIst wohl nicht mehr erreichbar f\u00fcr seine Freunde<br \/>\nDie in Not sind?<\/p>\n<p>Es ist wahr: ich verdiene noch meinen Unterhalt<br \/>\nAber glaubt mir: das ist nur ein Zufall. Nichts<br \/>\nVon dem, was ich tue, berechtigt mich dazu, mich satt zu essen.<br \/>\nZuf\u00e4llig bin ich verschont. (Wenn mein Gl\u00fcck aussetzt<br \/>\nBin ich verloren.)<\/p>\n<p>Man sagt mir: i\u00df und trink du! Sei froh, da\u00df du hast!<br \/>\nAber wie kann ich essen und trinken, wenn<br \/>\nIch es dem Hungernden entrei\u00dfe, was ich esse, und<br \/>\nMein Glas einem Verdurstenden fehlt?<br \/>\nUnd doch esse und trinke ich.<\/p>\n<p>Ich w\u00e4re gerne auch weise<br \/>\nIn den alten B\u00fcchern steht, was weise ist:<br \/>\nSich aus dem Streit der Welt halten und die kurze Zeit<br \/>\nOhne Furcht verbringen<br \/>\nAuch ohne Gewalt auskommen<br \/>\nB\u00f6ses mit Gutem vergelten<br \/>\nSeine W\u00fcnsche nicht erf\u00fcllen, sondern vergessen<br \/>\nGilt f\u00fcr weise.<br \/>\nAlles das kann ich nicht:<br \/>\nWirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!<\/p>\n<p>2<\/p>\n<p>In die St\u00e4dte kam ich zu der Zeit der Unordnung<br \/>\nAls da Hunger herrschte.<br \/>\nUnter die Menschen kam ich zu der Zeit des Aufruhrs<br \/>\nUnd ich emp\u00f6rte mich mit ihnen.<br \/>\nSo verging meine Zeit<br \/>\nDie auf Erden mir gegeben war.<\/p>\n<p>Mein Essen a\u00df ich zwischen den Schlachten<br \/>\nSchlafen legt ich mich unter die M\u00f6rder<br \/>\nDie Liebe pflegte ich achtlos<br \/>\nUnd die Natur sah ich ohne Geduld.<br \/>\nSo verging meine Zeit<br \/>\nDie auf Erden mir gegeben war.<\/p>\n<p>Die Stra\u00dfen f\u00fchrten in den Sumpf meiner Zeit<br \/>\nDie Sprache verriet mich dem Schl\u00e4chter<br \/>\nIch vermochte nur wenig. Aber die Herrschenden<br \/>\nSa\u00dfen ohne mich sicherer, das hoffte ich.<br \/>\nSo verging meine Zeit<br \/>\nDie auf Erden mir gegeben war.<\/p>\n<p>Die Kr\u00e4fte waren gering. Das Ziel<br \/>\nLag in gro\u00dfer Ferne<br \/>\nEs war deutlich sichtbar, wenn auch f\u00fcr mich<br \/>\nKaum zu erreichen.<br \/>\nSo verging meine Zeit<br \/>\nDie auf Erden mir gegeben war.<\/p>\n<p>3<\/p>\n<p>Ihr, die ihr auftauchen werdet aus der Flut<br \/>\nIn der wir untergegangen sind<br \/>\nGedenkt<br \/>\nWenn ihr von unseren Schw\u00e4chen sprecht<br \/>\nAuch der finsteren Zeit<br \/>\nDer ihr entronnen seid.<\/p>\n<p>Gingen wir doch, \u00f6fter als die Schuhe die L\u00e4nder wechselnd<br \/>\nDurch die Kriege der Klassen, verzweifelt<br \/>\nWenn da nur Unrecht war und keine Emp\u00f6rung.<\/p>\n<p>Dabei wissen wir ja:<br \/>\nAuch der Ha\u00df gegen die Niedrigkeit<br \/>\nVerzerrt die Z\u00fcge.<br \/>\nAuch der Zorn \u00fcber das Unrecht<br \/>\nMacht die Stimme heiser. Ach, wir<br \/>\nDie wir den Boden bereiten wollten f\u00fcr Freundlichkeit<br \/>\nKonnten selber nicht freundlich sein.<\/p>\n<p>Ihr aber, wenn es soweit sein wird<br \/>\nDa\u00df der Mensch dem Menschen ein Helfer ist<br \/>\nGedenkt unsrer<br \/>\nMit Nachsicht.<\/p>\n<p>Berthold Brecht (1898 &#8211; 1956)<\/p>\n<h1 style=\"text-align: left;\">Verbannt<\/h1>\n<p>Gro\u00dftropfiger Regen, der auf die Erde schl\u00e4gt,<br \/>\nUnter dir stehen im Donner die B\u00e4ume rauschend bewegt.<br \/>\nBlitz und Donner und Regen, wie lebt ihr gl\u00fccklich und frei!<br \/>\nErh\u00f6rt und erf\u00fcllt doch eines Gefangenen Sehnsuchtsschrei!<\/p>\n<p>Max Dauthendey (1867 &#8211; 1918)<\/p>\n<h1 style=\"text-align: left;\">aufbruch<\/h1>\n<p>lass dich nicht fesseln<br \/>\nvon deinen wurzeln<br \/>\nsie reichen zur\u00fcck<br \/>\nin die zeit<br \/>\ndie dich nicht mehr<br \/>\nn\u00e4hren kann<\/p>\n<p>nimm wenig mit<br \/>\nau\u00dfer dir &#8211;<br \/>\ngedanken zu tragen<br \/>\ndie du nicht brauchst<br \/>\nwiegt zu schwer<\/p>\n<p>lerne f\u00fcr dich<br \/>\neine neue sprache:<br \/>\nwo freiheit ist<br \/>\nschmeckt das brot s\u00fc\u00df<\/p>\n<p>Marlies Blauth (geb. 1957)<\/p>\n<p>via http:\/\/kunst-marlies-blauth.blogspot.de u<em>nd <a title=\"[aufbruch] \" href=\"http:\/\/kunst-marlies-blauth.blogspot.de\/2013\/06\/gedicht-aufbruch.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> mit Bild zu finden<\/em><\/p>\n<h1><strong>Der Rose s\u00fc\u00dfer Duft gen\u00fcgt,<\/strong><\/h1>\n<div>Man braucht sie nicht zu brechen.<\/div>\n<div>Und wer sich mit dem Duft begn\u00fcgt<\/div>\n<div>Den wird ihr Dorn nicht stechen.<\/div>\n<p>Friedrich Martin von Bodenstedt (1819-1892)<\/p>\n<div>\n<h1>Auf leisen Sohlen<\/h1>\n<p>Eine Blume, die sich erschlie\u00dft,<br \/>\nmacht keinen L\u00e4rm. Auf leisen<br \/>\nSohlen wandeln die Sch\u00f6nheit,<br \/>\ndas wahre Gl\u00fcck und das echte Heldentum.<br \/>\nUnbemerkt kommt alles, was<br \/>\nDauer haben wird in dieser<br \/>\nWechselnden, l\u00e4rmvollen Welt<br \/>\nvoll falschen Heldentums<br \/>\nfalschen Gl\u00fccks und unechter Sch\u00f6nheit.<\/p>\n<p>Wilhelm Raabe (1831 &#8211; 1910)<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<h3>Geh nicht,<br \/>\nwohin der Weg dich f\u00fchren mag,<br \/>\nsondern dorthin,<br \/>\nwo kein Weg ist,<br \/>\nund hinterlasse eine Spur.<\/h3>\n<p>Ralph Waldo Emerson (1803-1882)<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<h1><strong>Was an dir Berg war&#8230;<\/strong><\/h1>\n<p>Haben sie geschleift<\/p><\/div>\n<div>Und dein Tal<\/div>\n<div>Sch\u00fcttete man zu<\/div>\n<div>\u00dcber dich f\u00fchrt<\/div>\n<div>Ein bequemer Weg<\/p>\n<p>Berthold Brecht (1898 &#8211; 1956)<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<h1><strong>Es kann die Ehre dieser Welt<\/strong><\/h1>\n<p>Es kann die Ehre dieser Welt<br \/>\nDir keine Ehre geben,<br \/>\nWas dich in Wahrheit hebt und h\u00e4lt,<br \/>\nMuss in dir selber leben.<\/p>\n<p>Wenn&#8217;s deinem Innersten gebricht<br \/>\nAn echten Stolzes St\u00fctze,<br \/>\nOb dann die Welt dir Beifall spricht,<br \/>\nIst all dir wenig n\u00fctze.<\/p>\n<p>Das fl\u00fccht&#8217;ge Lob, des Tages Ruhm<br \/>\nMagst du dem Eitlen g\u00f6nnen;<br \/>\nDas aber sei dein Heiligtum:<br \/>\nVor <em>dir<\/em> bestehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Theodor Fontane (1819-1898)<\/p>\n<h1><strong>Nature&#8217;s first green is gold<\/strong><\/h1>\n<p>Her hardest hue to hold,<br \/>\nHer early leaf&#8217;s a flower;<br \/>\nBut only so an hour.<br \/>\nThen leaf subsides to leaf.<br \/>\nSo Eden sank to grief,<br \/>\nSo dawn goes down to day.<br \/>\nNothing gold can stay.<\/p>\n<p>Robert Frost (1874-1963)<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<h1>Menschenbeifall<\/h1>\n<p>Ist nicht heilig mein Herz, sch\u00f6neren Lebens voll<br \/>\nSeit ich liebe? Warum achtetet ihr mich mehr,<br \/>\nDa ich stolzer und wilder,<br \/>\nWortereicher und leerer war?<\/p>\n<p>Ach! Der Menge gef\u00e4llt, was auf den Marktplatz taugt,<br \/>\nUnd es ehret der Knecht nur den Gewaltsamen;<br \/>\nAn das G\u00f6ttliche glauben<br \/>\nDie allein, die es selber sind.<\/p>\n<p>Friedrich H\u00f6lderlin (1770 &#8211; 1843)<\/p>\n<h1>Sehnsucht gab mir ihr weites Kleid<\/h1>\n<p>Sehnsucht gab mir ihr weites Kleid,<br \/>\nSeine Naht ist lang wie die Ewigkeit.<\/p>\n<p>Streicht die Sehnsucht um das Haus,<br \/>\nTrocknen die plaudernden Brunnen aus;<\/p>\n<p>Die Tage kommen wie Tiere daher,<br \/>\nDu rufst ihre Namen, sie atmen nur schwer;<br \/>\nDu suchst dich im Spiegel, der Spiegel ist leer,<\/p>\n<p>H\u00f6rst nur der Sehnsucht Schritt,<br \/>\nDu selbst bist nicht mehr.<\/p>\n<p>Max Dauthendey (1867-1918)<\/p>\n<h1>Liebe Eltern,<\/h1>\n<p>Ich mache mir manchmal solche Sorgen,<br \/>\ndass aus euch nichts Gescheites werden k\u00f6nnte!<br \/>\nWie schnell ist ein Erwachsenenleben<br \/>\nmit dem Ernst des Lebens verplempert,<br \/>\nmit Terminkalendern und Taschenrechner,<br \/>\nmit Abwasch und Aufr\u00e4umen.<br \/>\nViel zu oft wird doch von euch vernachl\u00e4ssigt,<br \/>\nwas wirklich wichtig ist im Leben:<br \/>\nam Bach Kaulquappen fangen,<br \/>\nauf B\u00e4ume klettern,<br \/>\nzum Baggersee fahren &#8230;<\/p>\n<p>Jochen Mariss (geb. 1955)\u00a0 via jochenmariss.de<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<h1><strong>Ein Traum, ein Traum&#8230;<\/strong><\/h1>\n<p>ist unser Leben<\/p><\/div>\n<div>auf Erden hier.<\/div>\n<div>Wie Schatten auf den Wogen<\/div>\n<div>schwebenund schwinden wir.<\/div>\n<div>Und messen unsre tr\u00e4gen Tritte<\/div>\n<div>nach Raum und Zeit;<\/div>\n<div>und sind\u00a0 &#8211; und wissen&#8217;s nicht &#8211;<\/div>\n<div>in Mitte<\/div>\n<div>der Ewigkeit.Johann Gottfried Herder (1744-1803)<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<h1>Still und lieblich ist die Nacht<\/h1>\n<p>Still und lieblich ist die Nacht,<br \/>\nDroben strahlt die Flur der Sterne;<br \/>\nIn der wunderbaren Pracht<br \/>\nIst uns nah des Himmels Ferne.<br \/>\nLasset uns nach oben schauen<br \/>\nWo die Sterne leuchtend stehn,<br \/>\nNeue Kraft und Gottvertrauen<br \/>\nWird das tiefe Herz umwehn!<\/p>\n<p>Goldne Schriften reden dort<br \/>\nVon des Ew&#8217;gen Macht und G\u00fcte,<br \/>\nWie des Herrn Prophetenwort,<br \/>\nTr\u00f6stungsreich uns in&#8217;s Gem\u00fcthe.<br \/>\nO, ich m\u00f6cht anbetend knien<br \/>\nUnter diesem Tempelzelt:<br \/>\nLiebe schuf das Sternengl\u00fchen,<br \/>\nLiebe, die auch mich erh\u00e4lt!<\/p>\n<p>August Auch (1817-1885)<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<h1>Ein gleiches<\/h1>\n<p>\u00dcber allen Gipfeln<br \/>\nIst Ruh,<br \/>\nIn allen Wipfeln<br \/>\nSp\u00fcrest du<br \/>\nKaum einen Hauch;<br \/>\nDie V\u00f6gelein schweigen im Walde.<br \/>\nWarte nur, balde<br \/>\nRuhest du auch.<\/p>\n<p>Johann Wolfgang von Goethe (1749-1828)<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<h1>\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Die Liebe<\/h1>\n<p>Die Liebe hemmet nichts; sie kennt nicht T\u00fcr noch Riegel,<\/p>\n<p>Und dringt durch alles sich;<\/p>\n<p>Sie ist ohn Anbeginn,schlug ewig ihre Fl\u00fcgel,<\/p>\n<p>Und schl\u00e4gt sie ewiglich.<\/p>\n<div>\n<p>Matthias Claudius (1740 &#8211; 1815)<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<h1>Wanderers Nachtlied<\/h1>\n<p>Der du von dem Himmel bist,<br \/>\nAlles Leid und Schmerzen stillest,<br \/>\nDen, der doppelt elend ist,<br \/>\nDoppelt mit Erquickung f\u00fcllest,<br \/>\nAch, ich bin des Treibens m\u00fcde!<br \/>\nWas soll all der Schmerz und Lust?<br \/>\nS\u00fc\u00dfer Friede,<br \/>\nKomm, ach komm in meine Brust!<\/p>\n<p>Johann Wolfgang von Goethe (1749-1828)<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<h1>Die Welt<\/h1>\n<p>Was ist die Welt und ihr ber\u00fchmtes Gl\u00e4nzen?<br \/>\nWas ist die Welt und ihre ganze Pracht?<br \/>\nEin schn\u00f6der Schein in kurzgefa\u00dften Grenzen,<br \/>\nEin schneller Blitz bei schwarzgew\u00f6lkter Nacht.<\/p>\n<p>Ein buntes Feld, da Kummerdisteln gr\u00fcnen,<br \/>\nEin sch\u00f6n Spital, so voller Krankheit steckt,<br \/>\nEin Sklavenhaus, da alle Menschen dienen,<br \/>\nEin faules Grab, so Alabaster deckt.<\/p>\n<p>Das ist der Grund, darauf wir Menschen bauen,<br \/>\nUnd was das Fleisch f\u00fcr einen Abgott h\u00e4lt.<br \/>\nKomm, Seele, komm und lerne weiter schauen,<br \/>\nAls sich erstreckt der Zirkel dieser Welt!<\/p>\n<p>Streich ab von dir derselben kurzes Prangen,<br \/>\nHalt ihre Lust f\u00fcr eine schwere Last:<br \/>\nSo wirst du leicht in diesen Port gelangen,<br \/>\nDa Ewigkeit und Sch\u00f6nheit dich umfa\u00dft.<\/p>\n<p>Christian Hofmann von Hofmannswaldau (1617-1679)<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<h1><strong>Dreifach ist der Schritt der Zeit,<\/strong><\/h1>\n<p>Dreifach ist der Schritt der Zeit<br \/>\nZ\u00f6gernd kommt die Zukunft hergezogen,<br \/>\nPfeilschnell ist das Jetzt entflogen,<br \/>\nEwig still steht die Vergangenheit.<\/p>\n<p>Kein Ungeduld befl\u00fcgelt<br \/>\nIhren Schritt, wenn sie verweilt.<br \/>\nKein Furcht, kein Zweifel z\u00fcgelt<br \/>\nIhren Lauf, wenn sie enteilt.<br \/>\nKein Reu, kein Zaubersegen<br \/>\nKann die stehende bewegen.<\/p>\n<p>M\u00f6chtest du begl\u00fcckt und weise<br \/>\nEndigen des Lebens Reise,<br \/>\nNimm die Z\u00f6gernde zum Rat,<br \/>\nNicht zum Werkzeug deiner Tat.<br \/>\nW\u00e4hle nicht die Fliehende zum Freund,<br \/>\nNicht die Bleibende zum Feind.<\/p>\n<p>Friedrich Schiller, &#8222;Spr\u00fcche des Confucius&#8220; (1759 &#8211; 1805)<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<h1>Was ist die Welt?<\/h1>\n<p>Was ist die Welt? Ein ewiges Gedicht,<br \/>\nDaraus der Geist der Gottheit strahlt und gl\u00fcht,<br \/>\nDaraus der Wein der Weisheit sch\u00e4umt und spr\u00fcht,<br \/>\nDaraus der Laut der Liebe zu uns spricht<\/p>\n<p>Und jedes Menschen wechselndes Gem\u00fct,<br \/>\nEin Strahl ist&#8217;s, der aus dieser Sonne bricht,<br \/>\nEin Vers, der sich an tausend andre flicht,<br \/>\nDer unbemerkt verhallt, verlischt, verbl\u00fcht.<\/p>\n<p>Und doch auch eine Welt f\u00fcr sich allein,<br \/>\nVoll s\u00fc\u00df-geheimer, nievernommner T\u00f6ne,<br \/>\nBegabt mit eigner, unentweihter Sch\u00f6ne,<\/p>\n<p>Und keines Andern Nachhall, Widerschein.<br \/>\nUnd wenn du gar zu lesen drin verst\u00fcndest,<br \/>\nEin Buch, das du im Leben nicht ergr\u00fcndest.<\/p>\n<p>Hugo von Hofmannsthal (1874-1929)<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<h1>Einmal<\/h1>\n<p>da h\u00f6rte ich ihn,<br \/>\nda wusch er die Welt,<br \/>\nungesehn, nachtlang,<br \/>\nwirklich.<\/p>\n<p>Eins und Unendlich,<br \/>\nvernichtet,<br \/>\nichten.<br \/>\nLicht war, Rettung.<\/p>\n<p>Paul Celan (1920-1970)<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<h1>Nie kampflos<\/h1>\n<p>Nie kampflos wird dir ganz<br \/>\nDas Sch\u00f6ne im Leben gegl\u00fcckt sein;<br \/>\nSelbst Diamantenglanz<br \/>\nWill aus der H\u00fclle entr\u00fcckt sein;<br \/>\nUnd windest du einen Kranz<br \/>\nWill jede Blume dazu gepfl\u00fcckt sein.<\/p>\n<p>Friedrich Martin von Bodenstedt (1819-1892)<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<h1>Wunder<\/h1>\n<p>Nicht m\u00fcde werden,<br \/>\nsondern dem Wunder<br \/>\nleise<br \/>\nwie einem Vogel<br \/>\ndie Hand hinhalten.<\/p>\n<p>Hilde Domin, (1909-2006)<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Sand geschrieben Da\u00df das Sch\u00f6ne und Ber\u00fcckende Nur ein Hauch und Schauer sei, Da\u00df das K\u00f6stliche, Entz\u00fcckende, Holde ohne Dauer sei: Wolke, Blume, Seifenblase, Feuerwerk und Kinderlachen, Frauenblick im Spiegelglase Und viel andre wunderbare Sachen, Da\u00df sie, kaum entdeckt, vergehen, Nur von Augenblickes Dauer, Nur ein Duft und Windeswehen, Ach, wir wissen es mit [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-175518463","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/posterous.quaerito.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/175518463","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/posterous.quaerito.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/posterous.quaerito.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/posterous.quaerito.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/posterous.quaerito.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=175518463"}],"version-history":[{"count":37,"href":"https:\/\/posterous.quaerito.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/175518463\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":175519065,"href":"https:\/\/posterous.quaerito.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/175518463\/revisions\/175519065"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/posterous.quaerito.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=175518463"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}