{"id":175518793,"date":"2013-06-24T22:50:43","date_gmt":"2013-06-24T20:50:43","guid":{"rendered":"http:\/\/posterous.kauda.de\/?p=175518793"},"modified":"2014-02-25T02:11:20","modified_gmt":"2014-02-25T00:11:20","slug":"das-europaische-sonderbewusstsein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/posterous.quaerito.de\/?p=175518793","title":{"rendered":"Das europ\u00e4ische Sonderbewusstsein"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Es w\u00e4re zu beginnen mit der Beobachtung, da\u00df nahezu alle Europ\u00e4er &#8211; selbst die Verfechter eines nach den Ma\u00dfst\u00e4ben der jeweiligen Zeit weitgehenden kulturellen Relativismus &#8211; seit dem Beginn der \u00fcberseeischen Expansion um 1500 den Angeh\u00f6rigen anderer Zivilisationen im Bewu\u00dftsein eigener H\u00f6herwertigkeit gegen\u00fcbertraten. Die gesteigerte Weltoffenheit im Zeitalter der Aufkl\u00e4rung, das zugleich eine Epoche des sich formierenden Rassedenkens und virulenter Rechtfertigung der Sklaverei war (bis hin zur Wiedereinf\u00fchrung des Sklavenstatus in allen franz\u00f6sischen Kolonien im Juli 1802), hat daran grunds\u00e4tzlich nichts ge\u00e4ndert; anschlie\u00dfend wurde im 19. Jahrhundert das gr\u00f6\u00dfte Ausma\u00df an &#8222;wei\u00dfer&#8220; Distanzierung von den \u00fcbrigen Kulturen erreicht. Dieses europ\u00e4ische Sonderbewu\u00dftsein, welches seinen Universalit\u00e4tsanspruch \u00fcber einen beliebigen, selbstverst\u00e4ndlichen Ethnozentrismus heraushebt, speist sich urspr\u00fcnglich aus vorneuzeitlichen Quellen: einer Kombination von hellenisistischen Barbarendiskurs und christlicher Heilsgewi\u00dfheit, die sp\u00e4ter durch neue Best\u00e4tigungsstrategien erg\u00e4nzt oder ersetzt wird: den Stolz auf die eigene \u00dcberlegenheit in der wissenschaftlich-technischen Beherrschung der Natur, die \u00dcberzeugung von der Beglaubigung der okzidentalen Ausnahmenstellung durch idealistische oder materialistischen Fortschrittsphilosophen, die Selbstzuschreibung eines globalen Zivilierungs- und Modernisierungsauftrags in der Vorstellungswelt des entwickelten Imperialismus.<\/p>\n<p>Wie auch immer begr\u00fcndet, beruht das europ\u00e4ische Sonderbewu\u00dftsein, das sich in interkulturellen Kontaktsituationen am deutlichsten auspr\u00e4gt und dort zu realen Abgrenzungspraktiken beitr\u00e4gt, auf Ansichten dar\u00fcber, was im einzelnen die kritische Differenz zwischen dem Eigenen und dem Fremden ausmache. Es hat eine eigene Geschichte, die in der Antike beginnt, sich \u00fcber die Translatio des Aristotelismus in die Neue Welt neuzeitlich forsetzt und mit dem Ende der Kolonialreiche keineswegs abgebrochen ist.&#8220;<\/p>\n<p>[J\u00fcrgen Osterhammel, &#8222;Kulturelle Grenzen in der Expansion&#8220; ersch. in: Saeculum: Jahrbuch f\u00fcr Universalgeschichte ; 46 (1995), 1. Hj. &#8211; S.130\/131]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Es w\u00e4re zu beginnen mit der Beobachtung, da\u00df nahezu alle Europ\u00e4er &#8211; selbst die Verfechter eines nach den Ma\u00dfst\u00e4ben der jeweiligen Zeit weitgehenden kulturellen Relativismus &#8211; seit dem Beginn der \u00fcberseeischen Expansion um 1500 den Angeh\u00f6rigen anderer Zivilisationen im Bewu\u00dftsein eigener H\u00f6herwertigkeit gegen\u00fcbertraten. 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