Archiv der Kategorie: 20. Jahrhundert

(M)ein Dorf…

„Ein Dorf brauchst du, und wäre es nur, damit du es hin und wieder gerne verläßt. Ein Dorf – das bedeutet: du bist nicht allein, du weißt, in den Menschen, in den Pflanzen, in der Erde lebt ein Stück von dir, das, auch wenn du selbst nicht da bist, bleibt und auf dich wartet. Aber es ist nicht leicht, dabei ruhig zu sein. Seit dem einen Jahr, da ich dieses Dorf im Sinn trage und, sowie ich kann, von Genua herübereile, schlüpft es mir aus den Händen. So etwas wird dir mit der Zeit und mit der wachsenden Einsicht klar. Ist es möglich, daß ich mit vierzig Jahren, ich, der soviel von der Welt gesehen hat, noch nicht weiß, was das ist: mein Dorf.“

[Cesare Pavese, Junger Mond – Titel der italienischen Originalausgabe „La Lune e i falo“, 1950]

 

Beschaulichkeit

„Wir erleben die Zeit der Großstädte. Freiwillig amputierte man der Welt, was ihre Dauer bewirkt: die Natur, das Meer, die Hügel, die Beschaulichkeit der Abende.“

(Albert Camus in „Heimkehr nach Tipasa“ (orginal französisch „L’Été“ 1938)

fascination foucault

„Ich denke niemals völlig das gleiche, weil meine Bücher für mich Erfahrungen sind. Erfahrungen im vollsten Sinne, den man diesem Ausdruck beilegen kann. Eine Erfahrung ist etwas, aus dem man verändert hervorgeht. Wenn ich ein Buch schreiben soll, um das mitzuteilen, was ich schon gedacht habe, ehe ich es zu schreiben begann, hätte ich niemals die Courage, es in Angriff zu nehmen. Ich schreibe nur, weil ich noch nicht genau weiß, was ich von dem halten soll, was mich so sehr beschäftigt. So dass das Buch ebenso mich verändert wie das, was ich denke … Ich bin ein Experimentator in dem Sinne, dass ich schreibe, um mich selbst zu verändern und nicht mehr dasselbe zu denken wie zuvor.“

(Michel Foucault „Der Mensch ist ein Erfahrungstier. Gespräch mit Ducio Trombadori“, Frankfurt/M. 1997, S.24)

Im Namen der Vernunft

„Wer im Namen der Vernunft spricht, widerspricht sich selbst. Denn vernünftig ist es, die Begrenztheit der eigenen Einsicht zu wissen und eben dadurch besserer Einsicht fähig zu sein, komme sie, woher immer … Immer besteht die Vernunft darin, auf dem für wahr Gehaltenen nicht blindlings zu bestehen, sondern sich kritisch an ihm zu betätigen.“

[Hans-Georg Gadamer, „Lob der Theorie“. Frankfurt/M. 1991, S. 65]