„Man muss wohl die Bescheidenheit aufbringen einzugestehen, daß der Zeitpunkt des eigenen Lebens nicht der einmalige, grundlegende und umstürzende Augenblick der Geschichte ist, von dem aus sich alles vollendet und neu beginnt; gleichzeitig erfordert es Bescheidenheit, ohne Feierlichkeit zu sagen, daß der gegenwärtige Zeitpunkt ziemlich reizvoll ist und seine Analyse verlangt… Aber ohne sich ein wenig dramatisch und theaterhaft in die Brust zu werfen und von diesem Augenblick zu behaupten, er sei, in der Leere der Nacht, der Augenblick der größten Verdammnis oder der Tagesanbruch der aufgehenden Sonne.
Nein, er ist ein Tag wie jeder andere oder vielmehr ein Tag, der niemals ganz genau wie andere ist.“
[Michel Foucault u. Gérard Raulet in „Um welchen Preis sagt die Vernunft die Wahrheit? Ein Gespräch“ in: Spuren, Zeitschrift für Kunst und Gesellschaft, Heft 2, Seite 39; 1983]